Seit Urzeiten ist Heilung mit Kunst und Mythologie verbunden. Joseph Campbell hat nach eingehender Analyse eines breiten Spektrums an Mythen aus allen Teilen und Kulturen der Welt eine grundlegende Entdeckung gemacht: All diese Mythen sind Varianten eines einzigen universellen Themas, eines archetypischen Grundmusters. Er nannte dies den „Monomythos", die Geschichte des Helden / der Heldin:
- zu Beginn der Ruf von oben,
- dann Aufbruch ins Abenteuer (meist mit einem Diener, einem Getreuen an der Seite)
- eine Reihe schwieriger Prüfungen - Erlebnis von Tod und Wiedergeburt
- Rückkehr in die Gesellschaft mit neuen Kräften, geheilt, gewandelt,
- mit der Aufgabe, die Gaben zum Wohl anderer zu nutzen.
Dieser Monomythos kann als Leitfaden für einen therapeutischen Prozess gesehen werden. Die Existenz von Mythen trägt einem seelischen Grundbedürfnis Rechnung, nämlich dem der Erfahrung von Sinn, der Vergewisserung, dass ich auf meiner Reise nicht alleine bin, dass andere ähnliche Abenteuer bestehen müssen und dass dies alles einem größeren Ganzen dient.
Da Psychotherapie übersetzt „Dienst an der Seele" bedeutet, können wir sagen, dass diese Rückkopplung an die Mythologie ein unerlässlicher Bestandteil der seelischen Arbeit ist. Zudem lässt sie sich in der therapeutischen Praxis lustvoll mit künstlerischen und spielerischen Elementen (Tanz, Rituale, Theater, etc.) verbinden.
s.a. Schatten
Literatur:
Joseph Campbell, Der Heros in tausend Gestalten, Frankfurt/M. und Leipzig 1999 (Insel Tb)